Vorbemerkungen

 

Wenn eine durchschnittliche Leistung nach der geltenden Rechtslage mit 3,0 bewertet werden soll und die tatsächliche Durchschnittsnote 1,9 ist, dann ist die aktuelle Notengebung eine Falschbeurkundung im Amt nach § 348 StGB (Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren)! Wenn Professoren gute Noten im Tausch gegen gute Bewertungen (im Internet und in der Evaluation gegenüber der Hochschulleitung - vgl. http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/einsen-fuer-alle-kuschelnoten-kuhhandel-kumpanei-a-460388.html) anbieten, dann ist das Bestechlichkeit nach § 332 Abs. 3 StGB (Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren). Wenn die Hochschulrektoren und -präsidenten diese Taten geschehen lassen, dann ist das eine Verleitung von Untergebenen zu einer Straftat nach § 357 StGB. Damit muss Schluss sein!

 

Es geht nicht darum, die Arbeiterkinder wieder aus den Hochschulen zu verdrängen. Sie zählen sogar häufig zu den Motiverten und Leistungsstarken, und dann werden sie sogar von der Noteninflation benachteiligt. Das Problem sind die Kinder des Bildungsbürgertums, deren Eltern eine betriebliche Ausbildung wie ein sozialer Abstieg vorkommt, und die ihre Kinder mit aller Kraft durch das Abitur und zum Studium boxen.

 

Aufruf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bleiben wir anständig!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit dem Bericht des Wissenschaftsrates der Bundesregierung von 2012 kann die Noteninflation an Hochschulen nicht mehr geleugnet werden. Mit den Forschungsergebnissen der Europa-Universität Flensburg von 2016 wurde belegt, dass sich diese Entwicklung fortgesetzt hat. (beide Quellen siehe "weitere Stimmen")

 

Es ist die Aufgabe der Professoren, sich dieser Entwicklung in den Weg zu stellen. Nach dem Beamtenrecht ist jeder Beamte für die Gesetzmäßigkeit seines Handelns selbst verantwortlich. Beamte dürfen keine Anweisungen ausführen, mit der sie sich strafbar machen würden. Die Professoren dürfen nicht (länger) die potentiellen Arbeitgeber ihrer Studenten betrügen und mit den Noten einen Leistungsstand vortäuschen, den die Studenten nicht hatten. Sie dürfen nicht (länger) an der Herstellung falscher öffentlicher Urkunden (Abschlusszeugnisse) mitwirken, in denen Prüfungsergebnisse beurkundet werden, die es so nicht gegeben hat. Sie dürfen sich nicht (länger) als bestechlich darstellen, indem sie ihren Studenten mehr oder weniger versteckt anbieten, im Austausch gegen gute Bewertungen bei „meinprof.de“ oder in der hochschulinternen Evaluation bessere Noten zu vergeben. Sie dürfen sich nicht (länger) von den Hochschulleitungen und Wissenschaftsministerien zu der Begehung dieser Straftaten verleiten, anstiften oder nötigen lassen.

 

Das Notenschema der Prüfungsordnungen muss (wieder) verbindlich sein. Die durchschnittlichen Anforderungen der Prüfungsleistung müssen bei berufsqualifizierenden Abschlüssen die Anforderungen sein, die heute (und nicht vor 20-40 Jahren, als die Professoren noch selbst studiert haben) nach der Bezeichnung des Prüfungsfachs im Beruf an einen Hochschulabsolventen gestellt werden.

 

Nach den Prüfungsordnungen werden die Noten für die einzelnen Prüfungsleistungen von den jeweiligen Prüfenden festgesetzt, die für die Bewertung folgende Noten zu verwenden haben (mit Einordnung für die Arbeitgeber):


1 = sehr gut = eine hervorragende Leistung

= Bewerber müsste die Aufgabe sofort eigenständig erfüllen können

2 = gut = eine Leistung, die erheblich über durchschnittlichen Anforderungen liegt

= Eigeninitiative bei der schnellen Einarbeitung darf erwartet werden

3 = befriedigend = eine Leistung, die durchschnittlichen Anforderungen entspricht

= eine normale Einarbeitung muss für eine normale Leistung genügen

4 = ausreichend = eine Leistung, d. trotz ihrer Mängel noch den Anforderungen genügt

= nach einer intensiven Einarbeitung kann der Absolvent seine Arbeit machen

5 = nicht ausreichend = eine Leistung, die aufgrund erheblicher Mängel den Anforderungen 

        nicht mehr genügt                                      = nicht zu gebrauchen!
 

Wenn von bundesdeutschen Gerichten von früheren 18jährigen DDR-Grenzsoldaten die Zivilcourage gefordert wurde, unter den Bedingungen eines Staates mit Demokratiedefiziten ihre Befehle zu missachten, dann muss das für gestandene Professorinnen und Professoren in einem demokratischen Staat das Mindestmaß an Rückgrat sein, das von ihnen verlangt werden kann. Sie müssen eine schlechte Bewertung bei „meinprof.de“ oder in der Evaluation als Auszeichnung verstehen, dass sie sich nicht korrumpieren lassen und sie müssen dafür in der W-Besoldung auch auf Leistungszulagen verzichten. Wenn die Wissenschaftsminister die Hochschulen dadurch korrumpieren wollen, dass sie die Hochschulfinanzierung von hohen Absolventenzahlen und niedrigen Durchfall- und Abbrecherquoten abhängig machen, dann dürfen sich die Professoren nicht nötigen lassen und müssen der Politik öffentlich widersprechen.

 

Wenn die Politiker korrupt werden müssen die Beamten anständig bleiben!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkungen

 

Der Staat gibt jährlich 29,9 Mrd. € für die Hochschulen aus. Bei 481.588 Hochschulabsolventen in 2015 kostet ein erfolgreiches Studium also durchschnittlich 62.000 €. Bachelor und Master sind in der Statistik zwei Absolventen; ihr Studium kostet also 124.000 €. Für einen Berufsschüler im dualen System gibt der Staat dagegen nur 2.900 €/Jahr aus. Eine dreijährige Lehre kostet den Steuerzahler also nur 8.700 €!

 

Zwischen 2006 und 2013 ist die Studienanfängerquote von 35,6 % auf 58,5 % eines Jahrgangs gestiegen. Damit gehen auch mittelmäßige Schulabgänger an die Hochschulen und im Handwerk fehlt der Nachwuchs. Eigentlich hätten sich jetzt die Durchschnittsnoten damatisch verschlechtern müssen, denn die zusätzlichen 23 % eines Jahrgangs hätten die Prüfungen eigentlich nur mit Ach und Krach bestehen können, wenn überhaupt. Trotzdem geht die Noteninflation ungebrochen weiter.

 

Für die Masse an Hochschulabsolventen wird es dann keine qualifizierten Arbeitsplätze geben und sie werden die Jobs annehmen, für die man eigentlich nur eine Lehre braucht. Wenn dann noch durch die Noteninflation, Schmusenoten als Gegenleistung für eine gute Evaluation, mogelnde Studenten (nach einer Studie der Universität Bielefeld schummeln 79 % der Studenten, 94 % kommen damit durch) und die Vertuschungskultur in den Hochschulleitungen das Vertrauen in die Qualität dieser Abschlüsse verloren geht, dann sind die 62.000 € je Absolvent bzw. 29.900.000.000 € jährlich herausgeworfenes Geld.  Das Vertrauen der Arbeitgeber ist schon jetzt nicht mehr sehr groß. Warum bekommen Hochschulabsolventen kaum noch unbefristete Arbeitsverträge, und den ersten befristeten Vertrag auch erst nach mehreren "freiwilligen" Praktika?

 

Wollen wir weiter 30 Mrd. € im Jahr verschwenden? Bevor die Parteien - besonders in Wahlkampfzeiten - ständig nach mehr Geld für die Bildung schreien, sollten sie das schon eingeplante Geld erst einmal sinnvoller verwenden. Da kann man noch sehr viel tun! Auf den Finanzmärkten kommt es durch Überbewertungen und zu schnelles Wachstum der Kurse immer wieder zu Blasen und Crashs. Ich will mich hier nicht zum Weltuntergangspropheten aufschwingen. Man kann aber wohl ohne Übertreibung feststellen, dass das Wachstum der Jahre 2006-13 zu stark war und dass die Noteninflation keine Luft mehr nach oben lässt. Die Politik wäre gut beraten, wenn sie die Luft aus dem Bildungssystem schnell und kontrolliert ablassen und sie nicht auf ein Platzen der Blase warten würde.


siehe auch:   Von der Hochschule zur Flachschule

https://opposition24.com/von-hochschule-flachschule-noten/344593

Prof. Dr. Werner

Rechnungswesen 

an der Hochschule

 

fachliche Meinungen

Müller,  lehrt
und Controlling Mainz.

 

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