Akademisierungswahn

 

Der Begriff wurde von dem  ehem. Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) geprägt. Seine Kritik an dieser Fehlsteuerung sagt:

 

Das duale System ist der Kern der beruflichen Bildung in Deutschland. Wer internationale Statistiken lesen kann, weiß, dass dieses System beruflicher Bildung für niedrige Jugendarbeitslosigkeit und eine hohe Produktivität in Handwerk und Technik sorgt. Ab 2006 gab Deutschland zunehmend dem internationalen Druck, ausgeübt vor allem von Seiten der OECD, aber auch der EU, nach und nahm sich die hohen Akademisierungsquoten der USA oder Großbritanniens zum Vorbild. Innerhalb von sechs Jahren schnellte der Prozentsatz der Studienanfänger pro Jahrgang um 60 % nach oben. Die Folge: ein zunehmender Mangel an Nachwuchs in den Ausbildungsberufen. Unterdessen sehen sich manche Branchen durch diesen Nachwuchsmangel in ihrer Existenz bedroht.

 

Ergänzung des Verfassers: Die Akademisierung wurde mit der Noteninflation praktisch umgesetzt (vgl. Wirtschaftswoche [13.04.17], http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bildungspolitik-akademisierungswahn-gefaehrdet-berufliche-bildung/19665020.html). Deshalb gehört auch dieses Thema auf diese Website.

 

Die Eltern wollen das Beste für die Zukunft ihrer Kinder, und das ist eine gute Ausbildung. Wenn die Mehrheit eines Jahrgangs studiert, dann dürfen die eigenen Kinder nicht zurückbleiben. Doch was man von den Hochschulen bekommt entspricht oft nicht diesen Erwartungen, und ist manchmal nur eine halbleere Mogelpackung. Die Noteninflation zeigt, dass sich hinter einem guten Zeugnis eine unterdurchschnittliche Leistung verbergen kann. Und wenn 79 % der Studenten schummeln und 94 % damit Erfolg haben, dann ist das Zeugnis erst recht nicht mehr vertrauenswürdig. Selbst die 6 % aufgedeckte Täuschungsversuche führen nicht zu ernsten Konsequenzen. Man hat die Prüfung nicht bestanden und kann es nächstes Semester nochmal versuchen. Aber selbst wenn man z.B. ein Praktikum mit einem gefälschten Zeugnis nachweisen will und dabei ertappt wird, droht keine Anzeige wegen Urkundenfälschung. Vielmehr riskiert der Prof., der den Betrug meldet und verfolgen will, Schwierigkeiten. Z.B. könnte der Prüfungsausschuss im Zweifel für den Studenten entscheiden (vgl. https://prof-dr-mueller.jimdo.com/praxismodul/die-ehrlichen-sind-die-dummen/), das Praktikum anerkennen und die Dekanin könnte den Professor, der die Fälschung erkannt hat, von seinen Aufgaben entbinden. Der Akademisierungswahn, die Noteninflation, die Schummelkultur der Studenten und die Vertuschungskultur der Hochschulleitungen gehören zusammen. Gemeinsam tragen diese Faktoren dazu bei, dass die Hochschulabsolventen von heute nach dem Studium kaum noch eine adäquate Festanstellung finden. Und es trifft leider auch die Falschen. Aber wie so oft: Die Ehrlichen sind die Dummen!

 

Auf folgende Beiträge wird verwiesen:

 

Ex-Kulturstaatsminister Nida-Rümelin ist der Meinung, dass in Deutschland zu viele junge Menschen studieren und zu wenige eine Ausbildung machen
http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/spd-nida-ruemelin-warnt-vor-akademisierungswahn-in-deutschland-a-919726.html

 

 

… und der zitierte FAZ-Artikel in voller Länge …
http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/die-folgen-des-akademisierungswahns-14395287.html

 

 siehe auch: Video unten auf dieser Unterseite


Unternehmen mit den BA-Absolventen zunehmend unzufrieden
http://www.huffingtonpost.de/julian-nidaruemelin/universitat-hochschule-akademisierung_b_12132918.html

 

 
… und mit weiteren Stimmen auf seiner persönlichen Seite
http://www.julian.nida-ruemelin.de/tag/akademisierungswahn/

 

 

Julian Nida-Rümelin: Zur Krise beruflicher und akademischer Bildung / Plädoyer für die Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildung
https://hsg-eberbach.de/wp-content/uploads/2015/11/Akademisierungswahn.pdf

 

Universität passé, Bildung passé von PD Dr. phil. Stefan Barme aus Trier: Ein Rundumschlag auf 10 Seiten in einer erfrischend spitzen Sprache. Hier ein paar Beispiele:
- die gute alte Hochschule wurde zur „Flachschule“ … degradiert
- Sowohl die geistigen und sprachlichen Fähigkeiten als auch das jeweilige Fachwissen und die Allgemeinbildung der heutigen Studenten … haben im Vergleich zu früheren Generationen ganz dramatisch abgenommen
- Wenn das Ziel der grenzenlos nivellierten Gemeinschaftsschule seitens der Politik endgültig erreicht ist, dann ist auch der Zustand der Volksdummheit erreicht.
- Gegenwärtig ist zu beobachten, dass viele Hochschullehrer mit sehr guten Noten nur so um sich werfen,
- .. „Outsourcing“ des Gedächtnisses hat erwartungsgemäß zur Folge, dass es verkümmert – in den Neurowissenschaften spricht man daher bereits von der digitalen Demenz der PC- und Handtelefon-Generation.
www.stefanbarme.com/files/1441692808.pdf

 

„Die Globalisierung ... bestimmt unser gegenwärtiges Denken und ebnet die kulturellen Besonderheiten ein.“    http://www.berufsreport.com/der-akademisierungswahn-potentialgenaue-ausbildung-statt-bildungspolitischer-gleichmacherei/

 

 

Die Welt + N24: Akademisierungswahn wird für Deutschland zum Problem
https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/bildung/article154819491/Akademisierungswahn-wird-fuer-Deutschland-zum-Problem.html

 

 

Der Uni-Wahn gefährdet die berufliche Bildung in Deutschland!
http://orange.handelsblatt.com/artikel/24883


 

 

Wirtschaftswoche: Ein Plädoyer gegen den Akademisierungswahn
http://www.wiwo.de/politik/deutschland/studium-ein-plaedoyer-gegen-den-akademisierungswahn/13873878.html

 

 

Das unverzichtbare Mittel zur Steigerung der Abiturienten- und in der Folge auch Akademikerquoten ... war die Absenkung der Hürden für Bildungszertifikate. (http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bildungspolitik-akademisierungswahn-gefaehrdet-berufliche-bildung/19665020.html)

 

Es sei aber gar kein Abstieg, wenn der Vater zum Beispiel einen Master in Philosophie habe und der Sohn Schreinermeister sei und womöglich dreimal so viel verdiene wie der Vater. Vielmehr gehe es darum, das duale Ausbildungssystem wieder attraktiver zu machen.
http://www.deutschlandfunk.de/akademisierungswahn-studium-als-normalfall.724.de.html?dram:article_id=315749


Junge Menschen absolvieren heute Business- oder Management-Studiengänge – und machen dann Jobs, für die ihren Vätern ein Realschulabschluss mit kaufmännischer Lehre reichte.  http://www.karriere.de/studium/schluss-mit-dem-akademisierungswahn-165594/

 

"Die besten Wirtschaftsdaten in Europa hätten jene Staaten, in denen die niedrigste Abiturientenrate zu verzeichnen ist. In anderen Ländern gebe es dagegen eine teilweise erschreckend hohe Jugendarbeitslosigkeit. Wenn aber alle Abitur hätten, habe es keiner mehr ..." (Akademikerschwemme? Fachkräftemangel? Bildungspolitische Herausforderungen in der Diskussion - über eine gemeinsame Tagung des Bundes Freiheit der Wissenschaft mit der Hanns-Seidel-Stiftung, dem Deutschen Lehrerverband und der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrkräfte am 8. Juli 2015 in München - von Till Kinzel - http://www.bund-freiheit-der-wissenschaft.de/images/2015%20Akademikerschwemme%20Bericht%20Till%20Kinzel%20PDF.pdf)

 

Unser Akademisierungswahn widerspricht dem Bedarf am Arbeitsmarkt. Wir haben weitaus mehr Studierende als Arbeitsplätze, die zwingend von Akademikern besetzt werden müssen. (Hugo Müller-Vogg, Bildungs-Republik Deutschland, http://www.theeuropean.de/hugo-mueller-vogg/10173-der-deutsche-akademisierungswahn)

Bundeszentrale für politische Bildung - Dossier   http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/zukunft-bildung/200104/teilhabe-oder-akademisierungswahn?p=all

 



Wurde die Hochschule zur Flachschule?

 

Die Entwicklung der Studienanfängerquote (in % des jeweiligen Jahrgangs) zeigt die folgende (bearbeitete) Grafik aus dem bpb-Dossier.  Die geburtenstarken Jahrgänge führten Mitte der 70er Jahre zu einer Steigerung der absoluten Zahlen, der prozentuale Anteil der Studienanfänger stieg aber schon vorher wegen der Einführung des BAFöG (1971) durch die sozialliberale Koalition. Die aufkommende Akademikerarbeitslosigkeit führte aber dazu, dass viele gute Schüler lieber eine solide Lehre machten und wer keine Lehrstelle fand wich auf ein Studium aus. Mitte der 80er Jahre machte sich der Pillenknick erhöhend bemerkbar, weil für zahlenmäßig schwächere Jahrgänge freie Studienplätze auch mit schlechtem Notenschnitt erreichbar wurden.

 

Der Rückgang nach 1990 deutet darauf hin, dass in den neuen Ländern zunächst weniger Abiturienten ein Studium begonnen haben. Nach 10 Jahren war der Stand aus 1990 aber wieder erreicht. 2006-12 kam es (nach der PISA-Studie von 2000, die den deutschen Schülern eigenlich nur Mittelmaß bescheinigte) dann in nur 6 Jahren zu einem stärkeren Anstieg als in den 30 Jahren zuvor, der dann (von Julian Nida-Rümelin) als "Akademisierungswahn" bezeichnet wurde. 

zu den Jobaussichen von Hochschulabsolventen:


 

"Die Bildungspolitik, das wird immer deutlicher, steht vor den Trümmern eines einst funktionierenden Systems, das sie selbst kaputtreformiert hat. Das deutsche Bildungssystem ist Musterbeispiel dafür, dass politische Reformen bisweilen nicht Lösungen, sondern Probleme verursachen." (Ferdinand Knauß: Akademisierungswahn gefährdet berufliche Bildung, Wirtschaftswoche 13.04.17, http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bildungspolitik-akademisierungswahn-gefaehrdet-berufliche-bildung/19665020.html)

 

Prof. Dr. Werner

Rechnungswesen 

an der Hochschule

 

fachliche Meinungen

Müller,  lehrt
und Controlling Mainz.

 

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